Es wird eng in Schlierbach. Nicht, dass wir uns Sorgen um unsere Kleidergröße machen müssten. Im wahrsten Sinne eng wird es jedoch für Betriebe in Schlierbach.
Längere Zeit war es möglich, im gesetzten Rahmen zu wirtschaften und zu wachsen.
Jetzt sind die Grenzen erreicht.

Durch eine Siedlungsentwicklung, die sich zunehmend um und zwischen Betriebe legte und geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen (Abstandsbestimmungen zu Wohnbauland, Emissionsgrenzen etc.) ist an den bestehenden Betriebsstandorten vielfach keine Erweiterung mehr möglich, geeignete neue Betriebsstandorte mit entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten für bestehende aber auch neue Betriebe sind derzeit in der Gemeinde nicht verfügbar und werden auch in Zukunft nur in einem eingeschränkten Maße zur Verfügung stehen können.

Denn die Anforderungen sind nicht gering:
Verkehrstechnisch guter Anschluss (vor allem an das höherrangige Straßennetz), geeignete Geländestruktur (geringe Hangneigungen), Größe der Fläche (Erweiterungskapazitäten dürfen nicht sofort erschöpft sein), geeignete Ver- und Entsorgungsinfrastruktur (Kosten, technische Machbarkeit), entsprechende Abstände zu Wohnbauland (inkl. Buffer und künftiges Freihalten dieser Bereiche) und nicht zuletzt die tatsächliche Verfügbarkeit der Flächen (Kauf, Tausch, Pacht).

Gerade letzteres fordert künftig eine wesentlich aktivere Rolle der Gemeindevertretung in der Mobilisierung von Bauland. Was nützt ein Konzept zur Ausweisung geeigneter Betriebsbauflächen, wenn aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten diese nicht für eine Bebauung zur Verfügung stehen.

Aktive Bodenpolitik ist das Schlagwort einer zukunftsorientierten Raumordnung auf Gemeindeebene. Grund und Boden ist nicht beliebig vermehrbar. Ein und dasselbe Stück Land unterliegt der Begierde verschiedenster Interessen. Jedes neu gewidmete Bauland wird über oder lang der landwirtschaftlichen oder Erholungsnutzung auf Dauer entzogen. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft macht auch vor Schlierbach nicht halt. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe wird weniger, die Betriebsgrößen und der damit verbundene Bedarf an landwirtschaftlichen Grund erhöhen sich. Gerade weil sich gute landwirtschaftliche Lagen oft mit geeigneten Flächen für Betriebsansiedlungen decken, stehen diese nur sehr bedingt für eine Bebauung zur Verfügung. Daher ist es umso wichtiger, dass die Gemeinde ihrer Verantwortung zur Steuerung eines geordneten Interessensabgleiches und eines nachhaltigen, sorgfältigen Umgangs mit Grund und Boden nachkommt.

Dazu gehört sicherlich auch eine verstärkte regionale raumordnungspolitische Vernetzung zwischen den Gemeinden. Nicht jede Gemeinde besitzt die gleichen Voraussetzungen für eine gewerbliche, landwirtschaftliche, touristische oder Siedlungsentwicklung. So wird es in Zukunft umso wichtiger werden, dass sich Gemeinden verstärkt in der Raumplanung abstimmen und vor allem bei der Ausweisung von Betriebsbaugebieten zusammenarbeiten. Die Aufteilung der Investitionskosten verringert den Aufwand für die einzelne Gemeinde, dafür haben sie auch eine gemeinsame Wertschöpfung. Die derzeitige Situation setzt jede einzelne Gemeinde unter Druck, ohne Garantie, dass Betriebe nicht doch in eine andere Gemeinde abwandern (oder neue Betriebe entstehen), wie dies leider in letzter Zeit auch in Schlierbach geschehen ist.

Günter Dorninger